Die rektakuläre Zerreißprobe: Es kracht in South Park

Das aktuelle South Park Spiel hat lange auf sich warten lassen. Ob "Die rektakuläre Zerreißprobe" hält, was sie verspricht, zeigt unser ausgiebiger Spiele-Test. Von einem Griff ins Klo kann man schon sprechen, denn gleich zu Beginn des Spiels finden wir den Protagonisten auf dem Pott wieder. Im ersten Minispiel dreht sich alles ums große Geschäft. Es kommt erst gar kein Zweifel daran auf, dass Fäkalhumor hier fett geschrieben wird.

Wie schon im Vorgänger-Titel schlüpft der Spieler in die Rolle des "Neuen". Das wortkarge Kind, dessen Aussehen zu Beginn frei gestaltbar ist, zog kürzlich mit seinen Eltern in das beschauliche Städtchen. Der Übergang zu "Der Stab der Wahrheit" ist erstaunlich nahtlos und typisch humorvoll. Dank identischer Optik und den Originalsprechern für die auftretenden Figuren fühlt man sich gleich "wie Zuhause". Der Weg zum kindlichen Superhelden-Dasein ist schnell genommen.

Gegen Kleingeld oder durch das Lösen diverser Rätsel werden neue Kostüme freigeschaltet. So kann der Spieler das passende Alter Ego wählen. Spielerisch hat das Heldenkostüm keine nennenswerten Auswirkungen. Die meisten Bekleidungen sind augenzwinkernd an bekannte Superhelden angelehnt. Dafür stehen eine ganze Reihe an Klassen zur Wahl. Niemand geringeres als Eric Cartman alias "The Coon" nimmt das neue Kind unter seine Fittiche und zeigt ihm, wie ein Superheld kämpft. Jede Klasse hat eigene Angriffe, von denen drei gleichzeitig genutzt werden können. Später werden weitere Fähigkeiten freigeschaltet – viele davon basieren auf der fürchterlichen Macht des Furzes. Im Verlauf der Handlung stoßen immer mehr Helden zur Gruppe dazu, die alle ihre eigenen Spezialfähigkeiten haben. Die Kinder machen sich auf die Suche nach einer vermissten Katze und decken dabei eine tiefgreifende Verschwörung auf.

Die Kämpfe laufen rundenbasiert ab. Der Bereich ist in Felder eingeteilt, jeder Held und jeder Feind kann sich in ein paar Felder weit bewegen und dann Kontrahenten in Reichweite angreifen. Es gibt Nahkampf- und Fernkampf-Angriffe. Verschiedene Statuseffekte und Kombinationsattacken sorgen für eine Extra-Portion Schaden. Alles in allem ist das Spiel auch auf der höchsten Schwierigkeitsstufe problemlos zu bewältigen. Einzig ärgerlich ist eine Bosskampf-Mechanik. Die Bossgegner führen verheerende – und meist ekelhafte – Angriffe aus, wenn ein Timer abläuft. Der Timer läuft in Echtzeit, was bei einem rundenbasierten Kampfsystem zu Frust führen kann. Ein Crafting-System zur Herstellung von Heilungs-Gegenständen, Artefakten und Kostümen macht das fleißige Sammeln von Gegenständen einigermaßen belohnend. Streng gesehen, finden sich aber auch komplett ohne werkeln genug Ausrüstung und Gegenstände in der Spielwelt.

Jede Menge bekannte Gesichter stellen sich dem Spieler zur Seite. Überhaupt ist die größte Stärke des Spiels die Authentizität. Wie schon bei "Der Stab der Wahrheit" schafft es "Die rektakuläre Zerreißprobe", den Spieler in ein "glaubwürdiges" South Park, Colorado, zu transportieren. Die Schauplätze und die Entwicklung der Stadt sind den Ereignissen der Serie nachempfunden. Etliche Gags und versteckte Kleinigkeiten zeugen von der Detailverliebtheit der Entwickler.

Wenige Franchise-Spiele schaffen es, die Fans des "Originals" derart zu überzeugen. Ubisoft punktet hier durch die enge Zusammenarbeit mit den Serien-Erfindern Parker und Stone. Andererseits ist das Spiel so auf die Gefolgschaft gemünzt, dass kaum jemand Freude daran findet, der die South Park Serie nicht mag. Die Mechaniken sind simpel, die Grafik schmucklos, die Kämpfe größtenteils geradlinig. Aber das Spiel lebt von seinem Witz und seiner Ironie und ist somit eben ganz klar nur etwas für Fans. South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe (UVP von 59,99 Euro) ist erhältlich für PC, PS4 und Xbox One.

Steve Schmit / cid

Fotocredits: Ubisoft
Quelle: GLP cid